Der Pinsel lag auf dem Gehsteig. Er sah ein bisschen zerrupft aus und Farbreste klebten an ihm. Vorsichtig nahm Lara ihn in die Hand. Er hatte etwas Majestätisches an sich. Wie ein alter Mensch, dessen Gesicht die Geschichten seines Lebens erzählt. Wo er wohl herkam? Lara betrachtete die Farbkleckse auf seinem Stiel und seine zerzausten Haare. Es schienen Naturhaare zu sein. Ein Teil war ganz verklebt, aber die freien Borsten waren ganz zart und weich. In Laras Kopf entstanden Bilder eines Rotmarders, der frei und wild durch den Wald streifte. Ob ihr die Erinnerung an dieses Tier ermöglichen würde, freie und wilde Bilder zu malen? Ihre Hand spürte schon, wie sie den Pinsel in eine satte, starke Farbe tauchte und den ersten Strich auf einer verheißungsvoll leeren Leinwand zog.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie steckte den Pinsel ein.
Zu Hause stellte sie ihn zunächst zu den andern ins Pinselglas. Er sah fehl am Platz aus, so zerzaust und schmutzig zwischen all den Vorzeigepinseln. Wenn Laras Blick ihn streifte, schien er aufzuleuchten.
Sie nahm eine große Leinwand und stellte sie auf die Staffelei. Beinahe zärtlich nahm sie den zerrupften Pinsel in die Hand und säuberte ihn. Die alten Farbkleckse lösten sich nicht und einige Haare blieben verklebt. Lara lächelte. Wer den Pinsel wohl verloren hatte? War er jemandem aus der Tasche gefallen? Wurde er kurzerhand auf der Straße entsorgt? Vor ihrem inneren Auge entstand das Bild einer Frau, die große, bunte Bilder malte. Die Farben leuchteten ihr entgegen. Die Frau malte schnell und wild. Plötzlich erfasste sie eine große Wut. Sie öffnete das Fenster und warf den Pinsel in einem hohen Bogen hinaus. Lara musste lachen. Da war wohl ihre Fantasie mit ihr durchgegangen. Aber sie hatte so große Freude an diesem inneren Bild, dass sie es auf die Leinwand bringen wollte.
Sie tauchte den Pinsel in die leuchtend rote Farbe und näherte sich der Leinwand.
Marion Theresa Douret
Die vierte Rauhnacht ist geprägt von der Energie des Aprils. Im April gewinnt das Frühjahr zwar schon an Kraft, ist aber geprägt von Unsicherheiten, plötzlichen Wetterwechseln. Nichts ist wirklich verlässlich. An einem Tag kann es Kälte und Wärme, Sonne, Regen und Temperaturstürze geben. Bäume und Blumen blühen und verlieren ihre Blüten im Sturm oder durch einen späten Frost. Im April ist in der Natur vor allem eines sicher: nichts ist sicher und nichts wirklich planbar. Wie gehst du mit solchen Wechseln um? Kannst du sie annehmen oder fallen dir Veränderungen schwer? Wie gelassen bleibst du in den Stürmen des Lebens, wie leicht kannst du loslassen? Um der Gelassenheit auf die Spur zu kommen, hilft eine kleine Körperübung. Nimm einen Gegenstand (einen Tennisball, eine Tempopackung o.Ä.) in die Hand. Halte ihn eine Weile fest, bis er die Wärme deiner Hand angenommen hat. Packe ruhig fest zu, bis das Festhalten schmerzhaft wird. Dann entspanne deine Hand und deinen Arm. Lass den Gege...

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